Die CDU hat in der letzten Gemeinderatssitzung einen Antrag gestellt, den beruhigten Karlsplatz-Bereich temporär wieder zum Parken freizugeben. Hier ist unsere Stellungnahme zur Ablehnung dieses Antrags.

Wir sind hocherfreut, dass der CDU-Antrag im Gemeinderat keine Mehrheit gefunden hat, der beruhigte Bereich also bleibt bis der Karlsplatz endgültig umgestaltet wird.

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute fällt die Entscheidung darüber, ob der beruhigte Bereich am Karlsplatz wieder zum Parken freigegeben werden soll. Alles soll weggeräumt werden: Bäume, Beete, Bänke, Fahrradständer.

Aber diese Entscheidung ist keine rein technische oder finanzielle. Sie geht deutlich weiter.

Was hätten wir davon?

Die Schließung und Umnutzung dieses Parkplatz-Stücks war in 2021 ausschließlich in dem teils chaotischen Park-Verhalten begründet und sollte mehr Sicherheit und Aufenthaltsqualität für alle bringen. Diese Begründung ist immer noch genauso schlüssig wie damals und sehr gut nachvollziehbar, wenn man sich dort öfters aufhält.

Die Wiederfreigabe – und sei es auch nur für ein halbes Jahr –  würde in erster Linie wieder deutlich mehr Park-Suchverkehr bedeuten – mit all seinen bekannten negativen Folgen für den kompletten Karlsplatz, den angrenzenden Spielplatz und die Ein- und Ausfahrt. Noch immer gleicht der Weg aus der Allee Richtung Fußgängerampel einem Hindernislauf. Hinzu kommen noch die querenden Baustellenfahrzeuge auf Höhe des Parkdecks.

Wer wird auf den 20 wieder freigegebenen Parkplätzen stehen? Wir alle hier im Raum wissen, wie es läuft. Wer tatsächlich glaubt oder hofft, dass rare Parkplätze großmütig für eingeschränkt mobile Menschen  freigelassen werden, der sollte sich einfach mal eine Stunde an die aktuell verbliebenen Parkplätze stellen und die Situation beobachten.  Wer Zeit am Platz verbringt, wird leider Zeuge, wie selbst die Behindertenparkplätze regelmäßig zweckentfremdet werden.

Was würden wir aufgeben?

Wenn wir den heutigen Zustand zurückdrehen, geben wir nicht einfach 20 Parkplätze frei. Der Karlsplatz ist der belebteste Platz in ganz Sinsheim. Hauptsächlich durch Fußgänger. Und klar, kann man über die Schönheit der Kübel, die Kunst am Boden streiten. Aber wir verlieren einen Ort, der seit der temporären Umgestaltung für viele Menschen an Sicherheit und Begegnung gewonnen hat.

Durch die Verkehrsberuhigung hat sich die Situation am Karlsplatz spürbar verbessert: Weniger Autos, weniger Parksuchverkehr bedeuten mehr Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger. Kinder auf dem angrenzenden Spielplatz sind durch die Pufferzone ohne Parkplätze etwas besser geschützt. Es fühlt sich mehr nach einem Platz für Menschen als nach einem Parkplatz mit Durchgangsstraße an. Die Kreuzung Allee/Karlsplatz/Friedrichstraße hat davon profitiert, weil einfach nicht so viele Autos in den Karlsplatz abbiegen.

Was haben wir gemeinsam geschaffen?

Wir haben einen Ort entstehen lassen, an dem viele gerne verweilen. Sechs zusätzliche Sitzbänke laden zum Ausruhen ein – zwei davon wurden sogar eigens für diesen Platz gespendet. Sie werden rege genutzt, tatsächlich auch von vielen älteren Menschen, die dort z.B. nach einem Arztbesuch auf ihre Angehörigen warten oder sich einfach eine kleine Pause mit Eis gönnen. Oft habe ich schon die Frage gehört, warum hier nur so wenig Bänke stehen. Wollen wir ihnen diesen Platz wieder nehmen – oder ihnen zumuten, künftig zwischen parkenden Autos zu sitzen?

Hinzu kommt das beachtliche ehrenamtliche Engagement, das in diesen Platz geflossen ist: Der NABU pflegt mit viel Herzblut die Beete, bepflanzt sie mit Ablegern aus den eigenen Gärten, entfernt 3x die Woche allen Müll incl. Kippen und Kaugummis aus den Beeten. Kindergärten haben nicht nur gebuddelt und gepflanzt, sondern den Platz mit selbstgebasteltem Schmuck lebendig gemacht – ein Ausdruck von Gemeinschaft, der über das rein Funktionale weit hinausgeht. Wo finden wir das sonst in Sinsheim?

Die bunt bemalte Bodenfläche ist komplett finanziert durch Spenden von Sparkasse, Volksbank, NABU und vielen Bürgerinnen und Bürgern. Wird hier wieder geparkt, wird diese Bodengestaltung keine vier Wochen überleben. Sie war nie dafür gedacht, von Reifen überrollt zu werden.

Auch die beiden komfortablen Radabstellanlagen, die selbst für Fahrräder mit Anhänger Platz bieten, sind ein Gewinn für alle, die sich klimafreundlich und flexibel fortbewegen wollen. Mit der Rückkehr der Autos wären auch sie Geschichte.

Die leiseren Stimmen nicht überhören

Oft sind es die lauten Beschwerden, die überall zu hören sind. Und über die in Zeitung und digitalen Medien zu lesen ist. Weil Aufreger einfach mehr Anziehungskraft haben. Doch gerade die Menschen, die mit Ruhe und Hingabe etwas geschaffen haben – die Ehrenamtlichen vom NABU, die Kinder und Erzieherinnen der Kitas, die Spenderinnen und Spender – sie sind es, die diesen Platz zu etwas Besonderem gemacht haben. Wo gibt es sonst ehrenamtliches Pflanzen, Pflegen, Verschönern mitten in der Stadt? Viele Gespräche vor Ort zeigen: Die Veränderungen sind auf viel Wohlwollen gestoßen – auch wenn diese Zustimmung leiser geäußert wird als der Ruf nach Parkplätzen.

Deshalb bitten wir Sie:

Geben Sie diesen Ort nicht wieder für Autos frei. Auch wenn der Abbau nur temporär wäre, setzt man das falsche Zeichen für eine attraktive Innenstadt. Lassen Sie uns jederzeit gemeinsam an einer Stadt arbeiten, in der Menschen und ihr Zusammenleben Vorrang haben.

Ja, lassen Sie uns gerne sofort darüber diskutieren, wie alle eingeschränkt mobilen Menschen zum Arzt kommen (und nicht nur die einen Fahrer haben), lassen Sie uns Ideen sammeln, wie Mobilität und Teilhabe für alle möglich wird. Denn das ist tatsächlich eine wichtige Zukunftsfrage.

Aber stimmen Sie diesem Antrag nicht zu, da er die Situation nicht verbessert, sondern verschärft.

Vielen Dank!