Gemeinsamer Antrag der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und CDU zur Beauftragung einer Katzenschutzverordnung – hier unsere Stellungnahme:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Vielleicht wirkt dieses Thema „Katzenschutzverordnung“ auf den ersten Blick eher bürokratisch oder nebensächlich. Noch mehr Regeln… warum?
Wenn man genauer hinschaut, geht es um etwas, das uns alle betrifft. Als Gesellschaft, als Entscheider, als Kommune, die Verantwortung übernimmt für den Tierschutz in unserer Region.
Katzen sind als Haustiere sehr beliebt. Sie gehören zum Alltag in Familien oder bringen alleinstehenden Menschen Gesellschaft. Aber gleichzeitig sind gerade unkastrierte freilaufende Katzen ein immer größeres Problem, das leider nicht von selbst verschwindet.
Katzen, die nicht kastriert sind, vermehren sich rasant… wenn sie die Chance dazu haben. Es ist möglich, dass eine Katze bis zu 3 mal im Jahr trächtig wird. Da Katzen mit etwa 6 Monaten bereits geschlechtsreif sind, kann sich innerhalb von zwei Jahren eine ganze Katzenkolonie bilden, wenn man nichts unternimmt.
Was passiert, wenn einem das über den Kopf wächst? Man versucht die Tiere zu verschenken, man gibt sie im Tierheim ab im besten Fall, man tötet sie oder setzt sie aus im schlimmsten Fall.
Und genau das passiert. Zu viele dieser Tiere leben krank und verwahrlost in irgendwelchen verlassenen oder weiträumigen Arealen und auch in unseren Feldern. Und dort vermehren sie sich weiter.
Infektionskrankheiten werden immer weitergegeben. Aufgefundene Katzenmütter befinden sich häufig in einem bedenklichen Zustand, weshalb die Katzenjungen in der Regel unterversorgt und zusätzlich mit Infektionskrankheiten zur Welt kommen. Katzenschnupfen zum Beispiel hört sich so harmlos an. Aber es ist unbehandelt für die Tiere eine unendliche Qual, kann zum Erblinden und natürlich zum qualvollen Tod führen.
Die Forderung, eine solche Verordnung einzuführen, wurde von vielen Seiten an uns herangetragen – sowohl vom offiziellen als auch privaten Tierschutz, von sehr engagierten Tierärzten und auch über den NABU Sinsheim. Und wir sind froh, dass diese Forderung auch erfolgreich an die CDU herangetragen wurde! So wird die Tragweite des Problems nochmal deutlicher!
Viele Ehrenamtliche versuchen zu helfen und zu lindern wo sie nur können. Mit unglaublich viel Engagement, Zeit und Geld. Und wir haben bestimmt alle gerade auch nochmal den verzweifelten Hilferuf des Tierheims Sinsheim in der RNZ gelesen. Das Fass ist einfach so dermaßen am Überlaufen!
Aber es geht auch um den Schutz unserer heimischen Arten. Katzen sind Jäger – und das sehr erfolgreich. Wenn ihre Zahl unkontrolliert steigt, trifft das besonders Singvögel, Eidechsen, Kleinsäuger und sogar Insekten wie Libellen oder Schmetterlinge. Gerade in Zeiten, in denen die Artenvielfalt ohnehin abnimmt, dürfen wir hier nicht wegsehen. Verwilderte Hauskatzen können durch Krankheiten und Parasiten zudem eine reale Gefahr für Wildtiere darstellen. Besonders möchte ich hier unsere echten Wildkatzen im Odenwald und Stromberg Heuchelberg nennen.
Eine Katzenschutzverordnung bedeutet nicht, dass wir den Menschen etwas wegnehmen wollen. Im Gegenteil – sie gibt klare Leitlinien, wie verantwortungsvolle Tierhaltung aussieht. Kastration, Kennzeichnung, Registrierung – das sind keine übertriebenen Hürden. Aber sie verhindern viel Leid, bringen Ordnung und am Ende Entlastung für die ganzen Ehrenamtlichen, die Tierheime und damit auch für unsere Kommune. Und vielleicht bringt eine solche Verordnung den einen oder die andere nochmal zum Nachdenken, bevor sich ein Haustier „angeschafft“ wird.
Wenn wir also eine Kastrations- und Registrationspflicht hätten, würde dies im Umkehrschluss bedeuten, dass z.B. für aufgegriffene unkastrierte und unregistrierte Katzen die lange Wartezeit entfällt. Man könnte sie nach 48 Stunden kastrieren, registrieren und dann weitervermitteln.
Das bedeutet, wir hätten Rechtssicherheit für alle Beteiligten – Katzenhalter, Tierschutz, Verwaltung.
Kurz gesagt: Eine Katzenschutzverordnung ist kein „Katzenthema“, sondern eine Frage von Tierschutz, Gesundheit, Artenvielfalt und fairer Kostenverteilung – und betrifft daher uns alle.
Ich möchte deshalb dafür werben, diesen Beschluss mitzutragen und die Verwaltung zu beauftragen, auf Grundlage der landesweiten Musterregelungen einen Satzungsentwurf zu erstellen und dem Gemeinderat vorzulegen.
Vielen Dank.
…und am Ende haben wir eine gute Mehrheit im Gremium dafür bekommen!