Mit dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan „PV-Anlage Fohlenweide“ geht Sinsheim
einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Energiewende. Auf rund 14 Hektar entsteht
eine Freiflächen-Photovoltaikanlage mit einer Jahresleistung von etwa 17,82
Gigawattstunden – das entspricht ungefähr der Stromproduktion eines modernen
Windrades. Die geplante Kombination dieser Freiflächen-Photovoltaikanlage mit
Speichern ermöglicht es, den in der sonnenreichen Region Kraichgau erzeugten Strom
kostengünstig zu produzieren, zeitlich flexibel verfügbar zu machen, die Netzstabilität zu
sichern und Solarstrom grundlastfähig zu nutzen.
Für uns Grüne ist klar: Dieses Projekt ist ein zentraler Baustein für eine nachhaltige,
regionale Energieversorgung. Der jährliche Energiebedarf Sinsheims liegt bei rund 500
Gigawattstunden – einschließlich Haushalten, Gewerbe und Verkehr – und ist tendenziell
steigend. Um diesen rechnerisch vollständig vor Ort zu decken, wären etwa 30 Anlagen
dieser Größe erforderlich. Das verdeutlicht die Dimension der Aufgabe und die
Notwendigkeit, den Ausbau erneuerbarer Energien konsequent voranzubringen.
Wir tragen die Verantwortung, die Erderwärmung deutlich unter 2 °C gegenüber dem
vorindustriellen Niveau (1850–1900) zu begrenzen. Klimaschutz ist keine Option, sondern
eine Pflicht gegenüber kommenden Generationen. Baden-Württemberg strebt bis 2040
Klimaneutralität an – dieses Ziel wird nur erreicht, wenn Kommunen wie Sinsheim
vorangehen.
Freiflächenanlagen wie diese stärken zudem die regionale Wertschöpfung. Planung, Bau
und Betrieb erfolgen weitgehend durch Unternehmen aus der Region, sodass ein Großteil
der Investitionen vor Ort bleibt – es entsteht Strom „Made in Kraichgau“. Wir setzen uns
daher klar für die Errichtung weiterer Freiflächenphotovoltaikanlagen und den Ausbau der
Windkraft im Kraichgau ein. Jede dieser Anlagen bedeutet mehr Klimaschutz, mehr
regionale Wertschöpfung und mehr Energieunabhängigkeit.
Deutsche Energieversorger zahlen jährlich rund 80–100 Milliarden Euro für Importe
fossiler Energieträger (Gas, Kohle, Öl). Die Stromgestehungskosten für neue Solar- und
Windkraftanlagen liegen mittlerweile deutlich unter denen für neue fossile Kraftwerke.
Die Erzeugung von Strom aus einer neuen Photovoltaik-Freiflächenanlage ist in
Deutschland derzeit in der Regel etwa zwei- bis dreimal günstiger als die Stromerzeugung
aus neuen Kohle- oder Gaskraftwerken.
Zugleich sind Photovoltaik- und Windkraftanlagen rückbaubar. Sollten in Zukunft – etwa
um das Jahr 2050 – neue, klimaneutrale Technologien wie Fusionsreaktoren oder H2-
ready Gaskraftwerke an ehemaligen Kraftwerksstandorten wie Mannheim, Obrigheim
oder Philippsburg entstehen und unseren Kraichgau als verlässliche Grundlastquelle mit
sauberer Energie versorgen, könnten einige der heute gebauten Anlagen rund um
Sinsheim wieder zurückgebaut werden. Solar- und Windkraftanlagen sind anders als
bspw. Atomkraftwerke keine irreversible Entscheidung, sondern eine vor allem jetzt
verfügbare, verantwortungsvolle und kostengünstige Technologie auf dem Weg zu einer
vollständigen Klimaneutralität in Baden-Württemberg.
Auch beim Thema Flächennutzung spricht vieles für Photovoltaik: In sonnenreichen
Regionen wie dem Kraichgau (ca. 1.200 kWh Globalstrahlung pro Quadratmeter Boden
und Jahr) können pro Hektar rund 1.200 Megawattstunden Strom erzeugt werden,
während Biogas aus Mais im Schnitt nur etwa 20 Megawattstunden liefert. Photovoltaik
ist damit im Kraichgau rund 60-mal flächeneffizienter. Für die gleiche Strommenge wird
deutlich weniger Fläche benötigt – bei gleichzeitig geringeren Umweltbelastungen. Für
den Kraichgauer Boden bedeutet dies kein Dünger- oder Pestizideinsatz, keine
Austrocknung im Sommer und eine Förderung der Bodenbiologie sowie nachweislich
höherer Biodiversität im Vergleich zur Produktion von Bioenergie-Pflanzen auf derselben
Fläche.
Die Leitlinien der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in Sinsheim für den Ausbau
erneuerbarer Energien sind klar: Vorrang für versiegelte, vorbelastete oder ökologisch
weniger sensible Flächen, Schutz hochwertiger Böden und eine naturverträgliche
Gestaltung der Anlagen – ganz im Sinne des Korridorkonzepts für Vorranggebiete nach
EEG 2023, das sich insbesondere entlang der A6, die quer durch unser Gemeindegebiet
verläuft, anbietet. Das Konzept nutzt bevorzugt bereits durch Infrastruktur belastete
Flächen, wie Seitenstreifen entlang von Autobahnen und Schienenwegen, die oft wenig
produktiv sind und durch Lärm, Abgase oder Reifenabrieb eingeschränkt. Hochwertige
Ackerböden, die weiter entfernt von der A6 liegen, bleiben erhalten, wodurch Konflikte
zwischen Energie- und Nahrungsmittelproduktion vermieden werden.
Nach der EEG-Novelle 2023 können in Sinsheim auch ohne Bebauungsplan Photovoltaik-
Anlagen auf 200-Meter-Streifen entwickelt werden. Anlagen im Korridor bis 500 Meter von
der Autobahn entfernt, die nicht direkt privilegiert sind, können nach erfolgreichem
Ausschreibungsverfahren ebenfalls gefördert werden. So ermöglicht das Korridorkonzept
eine schnelle, netznahe Umsetzung und eine effiziente Nutzung von Flächen, ohne
wertvolle Landwirtschaft zu beeinträchtigen, und trägt gleichzeitig zum zügigen Ausbau
erneuerbarer Energien in Sinsheim.
Die PV-Anlage „Fohlenweide“ verbindet Klimaschutz, regionale Wirtschaftskraft und
verantwortungsvolle Flächennutzung.
Als Fraktion Bündnis 90/Die Grünen unterstützen wir dieses Vorhaben ausdrücklich und
stehen für einen konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien in Sinsheim.
Jens Töniges, Stadtrat Bündnis 90/ Die Grünen
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