Klarstellung zur Förderung von Windenergie und zum Referenzertragsmodell (REM)

In der aktuellen Debatte zur Windkraft in Sinsheim entsteht zunehmend der Eindruck, als würde ausschließlich die Windenergie staatlich subventioniert – und dies insbesondere im Süden Deutschlands in unangemessener Höhe. Diese Darstellung greift zu kurz und verzerrt die tatsächlichen Zusammenhänge.

Das sogenannte Referenzertragsmodell (REM) im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist kein Förderbonus, sondern ein Ausgleichsmechanismus. Es trägt den unterschiedlichen Windverhältnissen in Deutschland Rechnung, indem es schwächere Standorte – wie hier im Kraichgau – gezielt unterstützt. Ziel ist ein räumlich ausgewogener Ausbau der Windenergie. Ohne diesen Ausgleich würde sich der Ausbau nahezu vollständig auf wenige windstarke Regionen im Norden konzentrieren.

Eine solche Konzentration hätte jedoch erhebliche Folgekosten: Der notwendige Ausbau der Stromnetze, steigende Redispatch-Kosten durch das Abschalten von Anlagen sowie Entschädigungszahlungen würden das Energiesystem insgesamt verteuern. Diese Kosten werden in der öffentlichen Diskussion häufig ausgeblendet. Tatsächlich kann eine höhere Vergütung an süddeutschen Standorten gesamtwirtschaftlich sinnvoll sein, da sie den Bedarf an teurem Netzausbau reduziert und Strom näher am Verbrauchsort erzeugt.

Zugleich ist es fachlich nicht haltbar, erneuerbare Energien isoliert als „subventioniert“ darzustellen. Auch fossile Energieträger werden seit Jahrzehnten umfangreich gefördert – sowohl direkt, etwa durch Steuervergünstigungen im Verkehrssektor oder staatliche Entschädigungen im Kohlebereich, als auch indirekt durch nicht eingepreiste Umwelt- und Klimaschäden. Diese Kosten trägt die Allgemeinheit.

Hinzu kommt: Auch die Atomenergie ist keineswegs ein kostengünstiger Energieträger. Neubauprojekte in Europa zeigen seit Jahren massive Kostensteigerungen und lange Bauzeiten. Gleichzeitig sind zentrale Kosten – insbesondere für Rückbau, Endlagerung und staatliche Haftungsrisiken – nur teilweise im Strompreis abgebildet und werden über Jahrzehnte von der öffentlichen Hand getragen.

Für Sinsheim und die Region bedeutet das: Windenergie im Süden ist kein ineffizientes Prestigeprojekt, sondern ein wichtiger Baustein für eine sichere, wirtschaftliche und dezentrale Energieversorgung. Sie stärkt die regionale Wertschöpfung, reduziert Abhängigkeiten und trägt dazu bei, die Energiewende systemisch sinnvoll zu gestalten.

Die Energiewende gelingt nur, wenn sie gesamtheitlich gedacht wird. Dazu gehört auch, die tatsächlichen Kosten aller Energieträger ehrlich zu betrachten – und nicht einzelne Technologien isoliert zu bewerten.

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