Stellungnahme zur Beschlussvorlage GR/009/2026 – Plätze der Innenstadt -Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, Sehr geehrtes Gremium,

alle drei Plätze haben Handlungsbedarf – das ist unstrittig. Aber aus unterschiedlichen Gründen:
Sie sind zum Teil stark versiegelt, überhitzen im Sommer – und gleichzeitig funktional und gestalterisch nicht überzeugend. Der Karlsplatz ist heute kein klar erkennbarer Platz, sondern ein fragmentierter Raum: zerschnitten durch Verkehr, Parkflächen und unterschiedliche Nutzungen, die nicht zusammenfinden.

Beim Burgplatz möchten wir aber einer Darstellung klar widersprechen: Er wird keineswegs kaum genutzt. Wer im Frühling bei den ersten Sonnenstrahlen oder im Sommer abends dort ist, sieht das Gegenteil – Familien mit Kindern, die den Platz aktiv nutzen. Nicht, weil er gut gestaltet ist, sondern weil dieser Platz eine Weite und Größe ohne Autoverkehr hat, die in der Innenstadt einmalig ist und die zum Spielen und Toben einlädt. Man kann hier Fahrradfahren lernen und Fangen spielen ohne Hindernisse. Wo geht das schon?

Das bedeutet: Diese Nutzung findet auf einem – im Sommer – sehr heißen, nahezu vollständig versiegelten Platz TROTZDEM statt. Deshalb sollte zumindest an den Rändern und in kleineren Abschnitten zeitnah großzügig für Schatten und Kühle gesorgt werden. Dies könnte realisiert werden, ohne den Charakter des Platzes und seine aktuelle Nutzung einzuschränken und würde ihn im Gegenzug mit vergleichsweise wenig Aufwand sehr aufwerten.

Das bedeutet auch: Gute Aufenthaltsqualität und Zugang zu Grün müssen allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen zur Verfügung stehen – unabhängig von Einkommen oder Lebenssituation.

Gleichzeitig ist klar: Der Karlsplatz ist ein komplexes Projekt. Viele Interessen, viele offene Fragen – das wird Zeit brauchen.

Und deshalb möchten wir einen Punkt ganz klar ziehen: Die Frage, wo der Wochenmarkt langfristig stattfindet, spielt heute keine Rolle. Das ist eine Diskussion für einen späteren Zeitpunkt – wenn der Karlsplatz überhaupt einmal fertig ist.

Deshalb sollten wir heute kein Entweder-oder beschließen.

Wir brauchen beides:
• eine gründliche, breit abgestimmte Entwicklung des Karlsplatzes
• und gleichzeitig schnelle, sichtbare Verbesserungen am Burgplatz.

Der Burgplatz ist hier die Low-Hanging-Fruit: Mit vergleichsweise geringem Aufwand können wir Entsiegelung, Begrünung und Verschattung umsetzen – und damit sofort Lebensqualität verbessern.

Und zwar für die Menschen, die den Platz heute schon nutzen.

Deshalb schlagen wir vor, die Entwicklung parallel zu organisieren:
• strategisch und sorgfältig beim Karlsplatz,
• konkret und zügig beim Burgplatz.

Und wir erwarten, dass die Verwaltung prüft, wie hierfür gezielt Fördermittel –im Bereich Klimaanpassung – genutzt werden können, z.B. aus Programmen wie der Bundesförderung „Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ (DAS) oder dem Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“.


Vielen Dank.

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